From Gainsborough to Kiewert

Im 18. Jahrhundert gab es noch keine Massentierhaltung, Schweine waren nicht eingepfercht in Dänemark. Es gab keine Kastenstände und Abferkelbuchten.
Die Bilder von Thomas Gainsborough (1727 - 1788) sprechen daher eine entsprechend idyllische Sprache.
Das Tier war offenbar eingebettet in den Kontext des menschlichen Lebens, in seine Anmut und seine Armut. Es wurde am Ende aber auch gegessen.
Mir ist wenig bekannt über die Gründe der damaligen Menschen, dies zu tun.

Thomas Gainsborough, Girl with Pigs

Heute ist Normalität eine Frage des Geschmacks. Wir sind sowieso alle Flexitarier. Vor allem gibt es auch andere Themen. Sex zum Beispiel. Es gibt im Internet auch diese Tierleidpornos.

Quelle: www.bild.de

Oder aber neue Pseudo-Ethiken scheiden sich an neuen Möglichkeiten ab. Dabei erweist sich die Ethik als technologisch. Sie ist als Überlebensethik in Szene gesetzt, obwohl sie nur eine Weiter-Wie-Bisher-Strategie ist. Das Konsequente ist ein Durchwursteln. Vielleicht ist die Pseudo-Ethik der mit einem Überlebensinstinkt ausgestattete Wahnsinn. Man rettet die Welt, um auch morgen noch Tiere töten zu können. Get involved.

Quelle: www.goldstandard.org

Das Infragestellen von Gewohnheiten sorgt für Irritation. Gefühle werden verletzt und auf diese Weise angesprochen. Angesteuert vom Künstler über die Irritations-Schnittstelle.

Aber am Ende wird alles komplexer und feinfühliger werden. Vorerst in der Kunst, dem sogenannten animal turn. In den humanities mit den Studien zur Beziehung von Mensch und Tier. Gainsborough würde heute vielleicht einen Beitrag dazu leisten.

Hartmut Kiewert, Im Freien, 2013

Bildnachweise: Thomas Gainsborough, Girl with Pigs; bild.de; www.goldstandard.org; Rosemarie Trockel und Carsten Höller, Ein Haus für Menschen und Schweine, 1997, http://d13.documenta.de/ ; Hartmut Kiewert, Im Freien, 2013.